| Geschrieben von Timo Krall,
am 08-05-2009 10:44
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Gestern war der Arbeitskreis Model United Nations zu Gast bei einem Vortrag des Forums Kultur und Sicherheit (Fo:Kus) zum Thema NATO-Osterweiterung. Referent war Dr. Heinz Brill, wissenschaftlicher Direktor
a. D. im Amt für Studien und Übungen der Bundeswehr, ein Experte für Geopolitik.
Persönlich habe ich viel aus diesem Vortrag ziehen können. Naturgemäß konnte die Einleitung in die Geschichte der NATO und den Status Quo nicht viel neues liefern - sollte man meinen. Doch Dr. Heinz Brill hat es verstanden, Vergangenes und Aktuelles zu verzahnen und verständlich zu deuten. Die daran sich anschließenden Betrachtungen über die gegenwärtigen Optionen und die Diskussion mit den Gästen waren zudem kontrovers bis aufschlussreich.
Ein wichtiges Anliegen des Vortrages war für Dr. Brill die russische Perspektive geopsychologisch begreiflich zu machen. Russland habe als Flächenstaat mit schwer zu kontrollierenden Außengrenzen wie zuvor die UdSSR eine historisch gewachsene Angst vor Einkreisung des eigenen Territoriums. Seit dem 2+4 Vertrag seien systematisch Garantien des Westens weitere Erweiterungen der NATO zu unterlassen und die östlichen Außengebiete des Bündnisses nicht zu militarisieren gebrochen worden.
Auf der anderen Seite stünde das ebenso nur als historisch gewachsenes Interesse verstehbare Bestreben einzelner Staaten Osteuropas sich unter den Schutz der USA zu stellen, zumal Europa und insbesondere Deutschland durch punktuelle Annäherungsversuche an Russland nicht als verlässlicher Partner betrachtet werde.
Insgesamt könne man überraschend große Überschneidungen zwischen den sich äußernden Interessen von Russland auf der einen und den USA auf der anderen Seite zu klassischen geopolitischen Konzepten erkennen: während Russland versuche, mit China eine dominante Achse durch das Kernland Eurasiens aufzubauen, sei der USA daran gelegen eine an der Containmentpolitik des Kalten Krieges orientierte Bündnisstruktur am westlichen, südlichen und östlichen Rand Eurasiens aufzubauen; ein Indiz hierfür sei etwa der Georgienkonflikt. Es sei noch nicht ausgemacht, ob der Westen nicht doch wie von Helmut Schmidt propagiert "auf Zeit" spiele und auf dem Zenit seiner globalen Machtstellung unter der Führung der Vereinigten Staaten ökonomisch-strategische Positionen sichere.
Mit Ausführungen zu den Spannungen hinter den Kulissen der internationalen Politik von dieser Art konnte Dr. Brill seine Faszination für dieses Themengebiet zu den Zuschauern transportieren.
Auf jeden Fall zum Arbeitskreis Model United Nations.
Bis zur nächsten Woche,
Timo Krall
Letztes Update : 08-05-2009 11:55
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Geschrieben von: Clare (Gast) am 23-08-2010 20:54